Vom Krampus zum Percht

Trend. Dass der Krampus in der Versenkung verschwindet, verdankt er vor allem einem: seinem teuflischen Kollegen, dem Percht, der für einen regelrechten Hype in der vorweihnachtlichen Zeit sorgt.

Es gibt wohl kaum jemanden, der ihm im Laufe seines Lebens noch nicht begegnet ist: dem Krampus. Als Begleiter des Nikolaus lehrt er so manchem Kind das Fürchten und sorgt nicht selten für Hiebe mit der Rute, die ernsthaft verletzend sein können. Aber wo ist der Krampus die letzten Jahre geblieben? Der teuflische Gegenspieler des heiligen Bischofs hält sich dezent im Hintergrund, entwickelte sich besonders in den letzten Jahren doch ein regelrechter Hype um ein Brauchtum, das eigentlich aus dem Salzkammergut kommt und nun auch bei uns voll angekommen ist: dem Percht.

 

Perchten sollen böse Wintergeister vertreiben

Kaum wird es draußen am Abend wieder dunkler, tauchen an den Wochenenden finstere Gestalten auf und ziehen nicht wenige Menschen in den Bann. Dabei haben die Perchten im November noch nichts verloren. Die Perchten im eigentlichen Sinne treten nämlich nur in den Raunächten rund um Weihnachten, Silvester und dem Dreikönigstag in Erscheinung. Und das vor allem zu einem Zwecke: Die Perchten sind glückbringende Gestalten, die die „bösen“ Wintergeister vertreiben sollen und überdies noch die Fruchtbarkeit der Frau im kommenden Jahr steigern sollen.

Mit der Absicht, böse Geister zu vertreiben, sind auch bereits in der Zeit um 500 vor Christus die Menschen mit schaurigen Masken durch die Straßen gezogen. Das wichtigste Utensil war damals wie heute die Glocke, mit der die bösen Geister vertrieben werden sollten. Bis ins Mittelalter hielt sich der Brauch noch, danach geriet er langsam in Vergessenheit. Erst im 19. Jahrhundert ließ man den Brauch der Perchten vor allem im Salzkammergut wieder aufleben.

Fürchten löst den ersehnten „Kick“ aus

Mit dem Brauchtum an sich hat das Perchtenlaufen, das in den vergangenen Jahren auch im Mostviertel immer beliebter wurde, nicht mehr viel gemeinsam. Hatte die Erscheinung des Perchts in früheren Zeiten noch einen rituellen Wert, so sorgt ein Perchtenlauf heutzutage vor allem für einen Adrenalinkick bei Alt und Jung. Und dafür wird so einiges getan. Anstatt mit einer traditionellen Maske wird mit blutverschmierten Masken gelaufen, rot leuchtende Augen, spezielle Effekte und schaurige Musik steuern ihr Übriges bei, um das Fürchten zu einem richtigen Kick zu machen.

Über die Füße streichen soll Fruchtbarkeit steigern

Dabei darf aber auf eines nicht vergessen werden: War der Krampus früher vor allem dazu da, die „unartigen“ Kinder zu bestrafen, so gibt sich der Percht vergleichsweise züchtig. Anstelle von harten Ruten verwenden die Perchtenvereine Pferdeschwänze, mit denen sie nur unterhalb des Knies über das Bein streichen. Und das vor allem zu einem Zweck: der Fruchtbarkeitssteigerung der Frau. Doch nicht alle Perchtengruppen halten sich auch an diese Regel: „Es gibt sehr wohl auch Gruppen, die nur Leute schlagen wollen. Wir sind aber eine reine Showgruppe“, erzählt Alexander Eder, Obmann der Strudengauer Schluchtnteufln.  Der junge Mann zählt 20 Leute zu seinem Verein, der durchschnittliche Perchtenanhänger sei zwischen 17 und 23 Jahre alt. Sie sind von November bis Jänner unterwegs, um mit ihrer Show die Menschen zu unterhalten, zu erschrecken und zu begeistern.     

Diejenigen, die den Läufen bereits entgegenfiebern und den Percht bewusst provozieren, wissen auch, dass sie auch einstecken müssen. Und das fordern so manche auch heraus: „Wenn wir merken, dass Kinder sich fürchten, gehen wir ganz langsam hin. Aber es gibt schon immer wieder Erwachsene, die sich schlagen lassen wollen“, erzählt Alexander von seinen Erlebnissen bei den Läufen. Dass dabei wohl so manche masochistische Züge mit im Spiel sein dürften, glaubt der Waldhausner nicht, es sei eher das Schreckhafte, das Böse, das die Menschen fesselt und ihnen den ersehnten Adrenalinkick verschafft. Für ihn selbst sei das Laufen auf den Perchtenläufen eine Art Ausgleich, genauso wie „Musik oder Fußball zu spielen“. Es ist vor allem ein Hobby, das die Perchtenliebhaber nicht nur im Winter beschäftigt, denn vor allem das Drumherum ist viel Aufwand. Die Masken der Perchten sind alle holzgeschnitzt, als Kleidung dienen echte Felle, meist von Ziegen. Und diese kostspielige Ausstattung muss gepflegt und in Stand gehalten werden.

Man schlüpft in sein zweites Ich

Für Melanie Tatzreiter, die gemeinsam mit ihrem Mann Andreas und den beiden Kindern bei den Kematner Urteufeln aktiv ist, ist das Auftreten als Perchtin so, als ob sie in eine zweite Haut schlüpfen würde: „Man kann sich auf eine gewisse Art und Weise verstecken, man zeigt sein zweites Ich.“ Doch nicht nur das zweite Ich wird hervorgekehrt, vor allem das gewisse Auftreten und der Respekt, den ein Percht den Zusehern zweifelsohne einflößt, reizt potentielle Mitglieder, um in die Rolle der schaurigen Gestalten zu schlüpfen. Beim genauen Betrachten merkt man: Mit jedem Kleidungsstück und vor allem der Maske steigt das Selbstbewusstsein, das Stehen im Mittelpunkt genießen die vorwiegend jungen Menschen sehr.

Fazit: Das traditionelle Brauchtum der Perchten lässt sich in den zahlreichen Perchtenläufen, die bald wieder in der Region stattfinden, nur mehr schwer wiedererkennen. Aber es ist wohl der Reiz des Unbekannten, Abstrakten und vor allem des Bösen, das in der immer schnelllebiger Zeit dafür sorgt, dass die Menschen wieder einen Kick bekommen und für einen Moment abschalten können.

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